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... es ist alles in Fragmenten - wie die Hälfte einer Papierserviette, die eine Zeitlang in der obersten Schublade einer Kommode lag. Sie hatten Wörter darauf geschrieben. Es sind zwei Kolumnen, und man kann erkennen, dass sie abwechselnd die Wörter nebeneinander schreiben, wie in einem Spiel. Wir besitzen die Welt um so besser, sagt sie, je geschickter wir sie zur Miniatur, zum Modell machen können. Aber man  muss berücksichtigen, dass im Modell die Werte dichter und rascher werden. Sie ist glücklich. Es ist Wochenende. Sie sind die Straße heruntergeschlendert und sie hat ein Lederbustier gesehen, das 600 Francs kostet. Er will ihr das Teil kaufen, sucht vorher aber noch einen Automaten. Karte rein, Geheimnummer, Betrag, Bestätigung, Karte zurück, Geld heraus. Als Charakteristikum von Gesellschaften, die als modern bezeichnet werden können, gilt die Fähigkeit zur ständigen Auflösung gegebener Zusammenhänge, aus denen sich neue bilden. Vielleicht ist der Geldautomat das verkleinerte Abbild derartiger Prozesse; vielleicht ist er auch einfach unterwegs zwischen dem realen Raum der Bank, seiner Reduzierung auf Zeichen und
ihrer Wiederherstellung in einem virtuellen Raum, dem die Einmaligkeit der Geheimnummer
auf der Scheckkarte entspricht. Sie trug einen schwarzen Fellhut. Alle Augen folgten ihren Schritten. Als sie das Hotelzimmer betraten und das Poster mit dem zum Teil sichtbaren schimmernden Naseninnern der Ursula Andress angeschaut hatten, greift das Naseninnere der Ursula Andress um sich. Der Starschnitt ist der einzige chirurgische Eingriff, bei dem es um das Zusammensetzen geht: Stück für Stück wird die verehrte, die geliebte Filmschauspielerin aus dem Papier gelöst, ein Arm, eine Brust, ein Kopf. Mit jedem Stück scheint ein Mensch entstehen zu müssen, lebensgroß und zum Greifen nah - und am Ende doch mehr eine flache, nicht weiter inspirierende Folie, die nach einiger Zeit von der Wand gelöst wird, um dem Bild eines neuen Idols Platz zu machen. Denn eine Hoffnung belebt das Sammeln, Schneiden und Montieren: die Hoffnung, das bewunderte Wesen ins eigene Leben hereinziehen zu können. Er saß bequem in einem Sessel, gehüllt in den Dunst seiner Zigarre, träge, still vergnügt. Seine Heiterkeit war versteckt; sie war wie Kohlen unter der Asche, man musste sie auf-decken, um sie zu entfachen. Sein Haar schien grauer, zerzauster, seine Augen blasser. Er hatte etwas von einem großartigen Clochard an sich, einem heiligen Versager. Er hatte volle Lippen, verfärbte, aber kräftige Zähne, ein Gesicht voller Leben. Sie saß ihm gegenüber. Du musst Dir eine Frage ausdenken, sagte sie. Du musst dich darauf konzentrieren. Ich kann das nur, wenn du es ernst nimmst. Er rauchte eine kleine Zigarre, die aussah wie ein dunkles Stück Holz. Sagt man Holz, denkt man das Holz des gefällten Baumes: Stamm, Ast, Balken, Brett, Leiste, Latte, Bohle, Planke, Scheit, Furnier. Das Holz entspricht der Klasse S10, DIN-Norm 4074-1. Dass das Bauen mit Holz eine Kunst dialektischen Flairs ist, wussten bereits die alten Griechen. Während der verlustreichen Troja-Expedition entsannen sie sich nach langer Belagerung des sympathischen, handhabbaren Werkstoffs, um ein mobiles Virus zu bauen, das in das Programm der Stadt eingeschleust, die Bedingungen der Realität umkehrte. Die Ver-wendung von Holz entspricht einer nachhaltigen Bauweise. Zwischen den einzelnen Balkenlagen liegendes Querholz. Wie im Holzlager hält es die Balken auseinander, so daß die Luft allseitig das Holz umspülen kann und dieses gleichmäßig austrocknet. An jeder Spannstelle liegen vier Stapelhölzer pro Lage.
In den unteren Lagen verdichten sie sich zu einem Feld. Dies damit das Gewicht der Stapelwand ins Auflager der Spannstelle geleitet werden kann, ohne dass sich die untersten Balken verbiegen. Die Alu-Träger des Systems besitzen Kreuzprofile mit Nuten, in die sämtliches Zubehör eingehängt werden kann. So einfach die Boxen ausgestattet sind, so schnell lassen sie sich aufbauen. Eine Schraube passt überall, das Konstruktionsprinzip erklärt sich von selbst. Wegen seiner Flexibilität empfiehlt sich der Einsatz des Modulsystems am ehesten dort, wo schnellstens temporäre Arbeitsplätze eingerichtet werden müssen, die unabhängig von der umgebenden Architektur alles bieten, was Büroarbeit angenehm macht: Schall- und Sichtschutz, genügend Stauraum und eine gute Be-leuchtung. Das Licht, die aufgeschlagenen Bücher, die Muschel, die prachtvoll gebundenen Mappen an der linken Wand, die möglicherweise Manuskripte bergen, der drehbare Bücherständer, der die Neugier erregende Brief, der irgendwo mitten auf dem Fußboden liegt, und das flauschige weiße Hündchen mit den vorgestreckten Vorderbeinen, der hochgereckten Nase und den beiden kirsch-schwarzen klaren Augen, nein, wer hier nicht schreiben kann, braucht es gar nicht erst irgendwo sonst versuchen. Der Heilige selbst ist im geheimnisvollsten aller Momente ertappt worden, dem der Inspiration. Er hat die Feder erhoben, Licht strömt herein, er hört, wie die Wörter sich formieren, und weiß schon fast, wie er sie niederschreiben wird; eine Sekunde später taucht er seine Feder in die Tinte des Tintenfisch und schreibt den Satz, der jetzt in allen Bibliotheken der Welt in einem seiner Bücher bewahrt ist. Und die Bücher wird es in einem vierstöckigen Regal mit kleinen Lesebalkonen geben. Sein Leben lang wanderte er umher im Labyrinth der Welt, die er als eine riesige Bibliothek empfand. Er betrachtete die Bände dieser Biblio-thek als die verwirklichten Träume der Menschen. Und die Wirklichkeit ist das, was noch nicht gesammelt ist. Das was schon gesammelt ist, ist für uns Geschichte und keine Wirklichkeit. Die Archivierung des Gedächtnis ist schon eine auf-geklärt-skeptische Leistung, denn man traut nicht mehr dem Gedächtnis Gottes, nicht mehr der Ewigkeit, der Auferstehung, sondern man vertraut der Fähigkeit, bestimmte Dinge aufzubewahren. Aber unser kulturelles Gedächtnis verkürzt sich. Man interessiert sich nicht mehr für den historischen Vergleich, man interessiert sich nur für die eigene Zeit. Irgendwann hat er beschlossen, dem Elend ein Ende zu machen. Das Dreckige und Hässliche und Krumme und Dicke abzuschaffen, die Verfettungen und Wucherungen zu bekämpfen, das Schiefgegangene gerade zu biegen. Nur noch Schönes zulassen, neue Körper, neue Städte. Das Telefon klingelt. Die deutsche Vogue, sagt er nachher, kennen Sie Frankenstein? Seine Augen funkeln vor Neugier. Und Vorfreude. Die wollen, dass ich etwas mache über Schönheitsoperationen. Zuerst hatte ich keine Idee, aber das Thema interessierte mich sehr. Ich habe also mit June darüber gesprochen. Und sie hatte den wunderbaren Einfall, dass ich in dem Moment fotografiere, wo der Verband abgenommen wird. Die Narben sind noch zu sehen. Der erste Blick in den Spiegel, nach dem Eingriff. Das ist spannend. Was da vielleicht kommen wird, ist nicht bloß dieses oder jenes. Es ist das Denken des vielleicht. Man kann zum Beispiel an sein Leben zurückdenken und sich vorstellen, wie es gewesen wäre, wenn etwas ganz anders geschehen wäre als das, was wirklich geschehen ist. Wenn man als Kind von zu Hause abgehauen und niemals wiedergefunden wäre, wenn man ganz woanders geboren worden wäre, auf einem Friedhof in Kairo vielleicht, wenn man Apotheker geworden wäre oder in einer Kirche den Sohn des Redakteurs geheiratet hätte, wenn man nie begonnen hätte zu bauen. Und weil ihm wohl alles Zufällige, Chaotische und Ungeregelte, wie es in den gewachsenen Städten und Wäldern sich einstellt, ein Greuel war, sah er in der Wüste und der leeren Ebene die idealen Voraussetzungen für die Vorstellungen des Ingenieurs. Seine Denk-Operation hat eine Lebensfigur erzeugt, die künftig jeden konkreten Raum durch Entkörperlichung auf eine leere Projektions-ebene reduzieren kann. Der Meister führte der Reisegesellschaft nicht nur seine jüngsten Projekte vor, sondern auch ein neues körperbezogenes Maßsystem. Ein halbes Jahr später war die Schrift druckfertig, in der er es unter dem Titel Modular der Welt vorstellte. Er ging dabei von der Proportion des männlichen Körpers aus. Er legte eine Größe von 175 cm zugrunde. Als ihm auffiel, dass die gutaussehenden Männer in englischen Kriminalromanen, beispielsweise die Polizisten, sechs Fuß groß sind, änderte er sie auf 183 cm. Der Kölner, der mit der Truppe unterwegs war, notierte ironisch: Er hat die Sache jetzt endgültig heraus. Die ganze Branche redete über sein Projekt, bevor auch nur irgend etwas davon zu sehen war. Als dann sechs Monate später als geplant die Web-Adresse endlich freigeschaltet war, waren schon gut 20 Millionen Dollar in die Werbung geflossen. Auch das hätte noch niemand übel genommen, wenn nur die teuren Programmierer nicht die Mac-User vergessen hätten. Aber ausgerechnet die Apple-Gemeinde, die sich schon immer für Trendsetter hielt, saßen vor tiefgefrorenen Bildschirmen. Die erste Fassung der Website lief nur unter Windows und auch dort nur langsam. Denn er hatte auch in der Technik nur das Beste gewollt. Das Ergebnis waren Quellcodes für einzelne Seiten von etwa 2000 Zeilen oder über 60 Kilobytes - bei weitem zu viel für einen Computer mit schlichtem Modem. Zwar staunten die wenigen Nerds nicht schlecht, die es schließlich schafften, das vorab gepriesene Wunderwerk auf ihre Workstation zu holen: Hausmodels stehen in schwarzen Trikots bereit. Eins beugt sich gerade nach vorn und bekommt von zwei Helferinnen vorsichtig ein rot-weißes Kleid mit einem angenähten Unterkleid aus Nessel übergestreift. Als sie sich aufrichtet und das Kleid an ihr herunterfällt, schließt das Publikum kurz die Augen und tastet nach Halt. Das Sich-Umziehen und Anziehen zieht auch in einen entsprechenden Raum um und zieht den mit an. Dabei werden nicht nur unterschied-liche Bedeutungen und Sinnbahnen relevant. Es wird auch eine ganz konkrete räumliche Tragweite aufgebaut: S, M, L, XL, XXL. Raum im Raum im Raum. Unsere Existenz entspricht einem ganzen Bauwerk aus Räumen. Lebensräume fangen mit einem Problem an und enden mit deren Lösung. Der Stoff liegt flüssig auf der Haut und hat durch seine Verarbeitung den optischen Effekt von weichem Leder. Figurnahe Röcke und schmale Hosen gehören zum Grundrepertoire. Und ein besonderes Plissee, das erst unter der Hüfte aufspringt, dient einer sinnlichen, schlanken Silhouette, zumal ein schräger Faden- und Musterverlauf dabei für Schwung sorgt. Bei den Naturtonreihen der Kollektion übernahm das Headquarter die Musenfunktion: Ich habe mich, erklärt sie, von unserem Haus und seinem Ambiente inspirieren lassen. Klare Zementblöcke, saturiertes Grau, Milchglas und Sand-steinblöcke sowie dezente, lichtdurchlässige Mischtöne stehen im Zentrum - neben Schwarz, das immer dabei sein muss. Vom Epochen-Surfing, wie es die Modewelt regelmäßig durchgeistert,  will sie nichts wissen .... Meine Retrophase habe ich mit Großmutters Kleidern zurück-gelassen. Ich denke, die Designer sollten die Zukunft projizieren. Curves of time ..., dachte er. Er brach ein Stück knuspriges Brot auseinander, das tat er rituell und mit zutiefst verlässlicher Ange-wohnheit, und sie konnte sich nicht vorstellen, dass er eine ganze Mahlzeit mit allen Vorgängen und Unterbrechungen und Handbewegungen ohne diese grundlegende Geste hinter sich gebracht hätte. Er sah zu ihr hinüber und dachte daran, wie sie in nur vier Jahren die Stadt hingestellt hatten. Alles musste rasend schnell gehen. Es war das erste Mal, dass eine ganze Stadt mitten ins Nichts hineingebaut wurde - und das am Ende der Welt: Es gab weder Straßen noch Telefon. Es herrschte einfach nur Stille, aber gleichzeitig war die Begeisterung trotz aller Unannehmlichkeiten sehr groß. Ich selbst wohnte auch dort, während wir die Stadt bauten: in einer Ein-Zimmer-Wohnung mit einem Bett, einem Tisch, zwei Stühlen und einem Schrank. Alle wohnten am selben Ort, hatten dieselben Probleme, dieselbe Kleidung und aßen im selben Lokal. Abends spielten wir Gitarre und sangen dazu, um auf andere Gedanken zu kommen. Über die Arbeit zu reden war verboten. Wir bildeten mit den Arbeitern und den Prostituierten in ihren Holzbaracken eine Familie...es war wie im Wilden Westen. Ein Klima von solcher Brüderlichkeit habe ich nie wieder erlebt. Wir glaubten damals, dass sich die Welt verändern und das Leben eines Tages ein besseres sein würde. Ich habe alle Wohnungen identisch gebaut, um die sozialen Klassen abzuschaffen - aber es hat nichts gebracht. Sein Freund hatte die Wohnung äußerst spärlich möbliert, sein Zimmer war eher eine Zelle denn ein Wohnraum. Aber immerhin groß. Die Kamera stand darin wie eine kleine kompakte Skulptur. Er filme, wie ein Schriftsteller sich etwas notiere, vielleicht könne man es  damit vergleichen. Jedenfalls mache er es für sich selbst. Ja, aber was habe er dann damit vor? Nichts - vorläufig nichts. Auf-bewahren, das auf jeden Fall. Vielleicht würde es irgendwann einmal in etwas hineinpassen. Sammeln, nach Hause kommen mit irgendetwas, so einfach war das. Seine Sammlung, so hieß dieser Stapel von Filmdosen. Er arbeitete mit Material, das sich gerade anbot, mit Bildern, auf die er zufällig stieß. Das Telefon klingelte, aber er nahm nicht ab. Jetzt niemand, jetzt wollte er den richtigen Augenblick für das Licht abwarten. Es würde nicht viel dabei herauskommen, vielleicht noch nicht einmal eine halbe Minute, statisch, fast ein Foto. Aber es musste sein. Kein Tag ohne Regel, das galt auch für ihn. Seine Regeln waren Bilder. Er schaute aus dem Fenster in den Hof: der Baum. Ein Turm voll Schnee.Der Schnee hatte den Baum noch einmal gezeichnet, fast so, als hätten die Äste darunter keine Funktion mehr. Dort könnte auch ein Baum ganz aus Schnee stehen, eine weiße, geformte Skulptur aus weißem Marmor. Aber er musste noch mindestens zehn Minuten warten. Mit weniger als 500 ASA würde es nicht gehen. In today‘s world, it‘s important to reduce things to their essence. To distill them. To strip away all excess. To make them pure. Potent. Clear. Black und white. Sie sucht in der Bibliothek nach Texten über Fabionaccis Reihe. Bei einer dänischen Autorin hatte sie darüber gelesen. So war sie allein und gleichzeitig unter Leuten, die alle mit etwas beschäftigt waren. Hier war es klösterlich still, und nach einer Weile konnte sie die unterschiedlichen Arten von Geräuschen unterscheiden, Schritte, wenngleich gedämpfte, das Hinlegen schwerer Bücher, Geraschel von Seiten, die umgeschlagen wurden, ein geflüstertes Gespräch, das kurze, immer wiederkehrende Geräusch des Foto-kopierers. Doch so, wie die Buchstaben in einem Buch niemals die Welt werden können, so können wir auch niemals die Welt lesen. Die Buchstaben werden es natürlich auch nicht versuchen. Wir dagegen sind gezwungen, weiterzulesen. Und stets wird es uns gehen wie in der berühmten Erzählung von Jorge Luis Borges, der Erzählung von der Landkarte, die immer größer und aus-führlicher gezeichnet wird, bis sie genauso groß ist wie die ganze Welt und das bedeckt, was sie eigentlich aufdecken sollte. Im Dezember hatte der neue Herausgeber der Monatshefte angerufen. Er fragte sie, ob sie ein Essay schreiben könnte mit dem Titel: Die Endgültigkeit der Städte. Sie stutzte. Bisher hatte sie angenommen, dass der Umbau der Städte, die Anlage von Fußgängerzonen, B-Ebenen, U-Bahnen, die Gründung von Satelliten-Städten so lange weitergeht, bis man wieder in den Städten wohnt, so, wie sie es von früher kannte. Sie hat recherchiert, herumgefragt. Diese Illusion fand sich nicht nur bei ihr. Es interessierte sie die sogenannte unsichtbare Stadt: die städtische Struktur, die in den Nerven, Gefühlen, Kenntnissen steckt. Dabei dachte sie an die Nächte im Osten der Stadt, wenn sie in der Morgendämmerung den Nachtclub an der Hafenbrücke verlassen hatten, jemand vorschlug, das Ende bei sich im Bunker zu verbringen. Sechs oder sieben in dem kleinen Raum mit einem Sofa. Einige auf dem Boden sitzend, den Rücken zur Wand. Die Beine übereinandergeschlagen. Das Klirren der gegen Gläser stoßenden Flaschenhälse. Dort, in diesem fensterlosen Bunker fand sie eine Broschüre mit Studenten-projekten. Der Professor klagte in seinem Vorwort: Es gibt keine abschreckendere Vorstellung für den modernen Architekten als die der Gemütlichkeit. Ja, es war wirklich eine Klage. Sie blätterte und las, bevor sie den Bunker mit den anderen verlies, noch den Text zu dem Entwurf eines Studenten: Einzige Bedingung, das Herrenzimmer, wie er seine Bibliothek nennt, darf nicht fehlen. Hier kann er seine ge-liebten Erstausgaben studieren und dazu in Ruhe eine Zigarre rauchen. Für den Rest der Wohnung ist ihm eigentlich nur ein großes, schweres Sofa wichtig. Sie ging die Straße am Fluss hinunter, dem Morgen entgegen. Aus dem Bunker klangen clicks+cuts herüber. Und im Gehen erinnerte sie einen Gedanken, den sie sich vor Tagen in ihr Heft notiert hatte: Dass Menschen Wesen sind, die an Räume teilhaben, von denen die Physik nichts weiß.    

Gerald Hintze


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